Kurz vor 10 Uhr stehen wir bei Errol’s Repair vor der Werkstatt. Natürlich hat der freundliche Operator von der Britz-Hotline nicht angerufen, aber ich erkläre geduldig alles noch einmal. Wir sollen den Reifen da lassen, er muss noch einmal kurz weg – aber in einer halben Stunde können wir den Reifen dann wieder abholen. Von Versicherung oder Britz will er nichts wissen – da soll ich mich selber darum kümmern. Also zahle ich meine 50AUD und wir können endlich weiterfahren. Ab auf den Stuart Highway….

Der Stuart Highway ist eine der wichtigsten Lebensadern in Australien – er verläuft über eine Länge von rund 2.700 km von Norden (Darwin, NT) nach Süden (Port Augusta, SA). Eigentlich wollten wir fernab dieses Highways fahren – aber wir müssen Zeit aufholen. Im Southern Territory gibt es ein Tempolimit von 110km/h – aber wir kommen schnell voran, die Straße ist meistens ewig gerade und man kann getrost die bis zu 50m langen Road-Trains überholen.

Als wir die Grenze zum Northern Territory überqueren ändert sich das Tempolimit (auf 130km/h) – und die Zeitzone. Wir können die Uhr um eine Stunde zurückdrehen 🙂 Den eintönigen Highway fahren wir bis Erlunda – dort biegen wir links ab. Hier befindet sich eine große Tankstelle und ein Roadhouse, wo wir erst einmal zu Mittag essen.

Der Lasseter Highway ist ein Teil des Red Centre Way und 288km lang, durchgehend asphaltiert und verläuft in Ostwest-Richtung vom Stuart Highway in Richtung Uluru-Kata-Tjuta-Nationalpark. Man kann sich vorstellen, dass hier fast alle Autos und Busse entlang fahren, die zum Ayers Rock unterwegs sind – dementsprechend gut ausgebaut ist diese Zufahrt in den Nationalpark. Aber auch die Vegetation und die Farben ändern sich schnell. Irgendwann auf dem Oodnadatta Track habe ich gedacht – erstaunlich, dieses Rot. Aber es wird noch roter. Es wird unglaublich roter, oranger und rostbraun. Eine faszinierende Palette von Rottönen und dazu ein blauer Himmel, fast unwirkliche Farben – wir sind wirklich im Red Centre von Australien angekommen…

Unterwegs tanken wir noch einmal in Curtin Springs. Und hier bezahlen wir 2.20 AUD/l. Ordentlicher Preis! Drei Zapfsäulen stehen verlassen und abgeschlossen auf einem weitem Areal. Ein junger Mann kommt aber schnell zu uns herüber, schliesst ab und betankt unser Auto. Wir kommen ins Gespräch und nach wenigen Sätzen wechseln wir ins Deutsche – er arbeitet hier auf Work&Travel Basis. Als wir zurück ins Roadhouse gehen, bittet er mich wieder ins Englische zu wechseln – die Betreiber mögen es nicht, wenn er deutsch mit den Touristen spricht. No problem …

Und weiter geht es in Richtung Uluru – und irgendwann taucht er in der Ferne auf. Es ist schon ein komisches Gefühl, was jetzt aufkommt. Irgendwie ist dieser Felsen doch der Inbegriff für Australien – und jetzt sind wir hier – und er ist so nah. Wir sind am Ziel – nein – eigentlich ist der ganze Weg das Ziel. Aber das ist doch ein kleiner Höhepunkt (irgendwie). Ich kann es schlecht erklären, wenn man den Uluru zum ersten Mal in seiner ganzen Größe sieht – er ist doch größer, als ich ihn mir vorgestellt habe. Und magisch…

Es gibt einige gute Aussichtspunkte, aber wer näher heran möchte, muss in den Uluru-Kata-Tjuta-Nationalpark fahren. Das 3-Tages-Permit kosten 25AUD und berechtigt zum Befahren des Nationalparks zwischen 5 und 21 Uhr (je nach Jahreszeit). Es gibt sehr strenge Regeln, die man auch wirklich beachten sollte… Die Strafen sind (wie eigentlich überall in Australien) sehr hoch. Es gibt einen ganzen Katalog – so wird z.B. das Mitnehmen von Bodenmaterial mit 5.500 AUD geahndet. Ein großer Teil der Straße am Uluru an der Sonnenuntergangsseite gehört zu den Halteverbotszonen – unerlaubtes Parken oder Anhalten kostet 330 AUD.

Also kaufen wir den Pass und beschließen, erst einmal die Kata-Tjutas zu besichtigen. Die ca. 550 Millionen Jahre alten Berge wurden von ihrem europäischen Entdecker Ernest Giles 1872 nach der Königin Olga von Württemberg die “Olgas” benannt. Diese 36 Felsendome heißen in der Sprache der Anangu “viele Köpfe”. Ihnen wird Schöpfungskraft aus der Traumzeit zugesprochen.

Zunächst fahren wir zur Sunrise Viewing Area und geniessen die Aussicht. Erstaunliche, fast unwirkliche Farben können wir hier erleben.

Dann fahren wir zur Sunset Viewing Area und wollen auf den Sonnenuntergang warten. Natürlich erkunden wir erst einmal zu Fuß die nähere Umgebung und schon bald merken wir, dass sich der Parkplatz langsam füllt. Ein paar Busse kommen, Wein und andere Erfrischungen werden für die Reisegruppen aufgetischt – wir stellen uns ein bisschen abseits und warten auf den Sonnenuntergang.

Und dann ist es soweit, die Bergkuppen ändern ihre Farbe von einem blassen hellrosa in ein intensiv leuchtendes Rotviolett. Die weißen Wolken am dunkelblauen Himmel bieten für zwei oder drei Minuten ein grandioses Gegenspiel der Farben. Überwältigend.

Als die Sonne tiefer am Horizont sinkt, kehrt die blasse Farbe zurück. Und auch wir machen uns zügig auf den Weg zurück – wir müssen ja noch auf dem Campingplatz einchecken. Mit den letzten Sonnenstrahlen verlassen wir den Nationalpark und fahren ins Resort. Die Rezeption ist rund um die Uhr besetzt – wir melden uns gegen 21 Uhr an und fahren dann auf unseren Stellplatz. Der Mond scheint schon ziemlich hell und wir gehen erst einmal unter die Dusche.

Ayers Rock Campground – Ayers Rock Resort
Ayers Rock Campground – Ayers Rock Resort
https://www.ayersrockresort.com.au/accommodation/ayers-rock-campground