Wir werden von der Sonne und den weißen Kakadus geweckt. Nach dem Frühstück fahren wir zurück auf den Track. Der erste Stopp ist an der alten Beresford Station, schon von weitem sieht man den hohen, rostigen Wassertank. Die Station an sich ist gut erhalten, man findet ein kleines Steinhaus, Wasserpumpen und alte Eisenbahnschienen. In einem riesigen Wasserenthärter (Kennicott Water Softener) wurde das mineralische Grundwasser aufbereitet bevor es in die Boiler der Dampfloks gepumpt wurde.

Von Irrapatana ist nicht viel übrig geblieben. Eine Ruine und ein wohl sehr beliebtes Fotomotiv – ein rostiger 1948er Ford Sedan.

Weiter geht es auf dem Track bis nach William Creek. Hier leben wieder ein paar Menschen – auch wenn es lt. letzter Volkszählung nur 6 Personen sind. Es gibt einen Campingplatz, ein Hotel nebst Tankstelle. Im Memorial Park kann man verschiedene Raketenteile besichtigen. Alle Raketen vom Typ Black Arrow wurden von Woomera (300km nördlich von WC) aus gestartet. Am 28.10.1971 startete die vorletzte Black Arrow (R3) erfolgreich ins All und brachte den Satelliten Prospero in seine Umlaufbahn. Das war der erste britische Satellit 😉 Die Überreste der ersten Triebwerkstufe wurden bei auf einer Rinderfarm in Anna Creek gefunden und hierher nach William Creek gebracht.

Duff Creek ist ein sehr breites, rotsandiges Bachbett in der Nähe der Abzweigung zur Nilpinna Station, über welches sich eine alte rostige Eisenbahnbrücke erstreckt. Ein paar Kilometer weiter befindet sich dann Edward Creek. Auch hier gibt es wieder die Überreste eines Wassertanks, den Wasserenthärter und ein paar Ruinen zu sehen – Peake Station.

Der nächste Haltepunkt der Ghanlinie war einmal – Warrina. Aber auch hier nur noch eine Ruine und ein paar rostige Wagenteile – mehr ist nicht mehr geblieben. Ein kleines Denkmal mit Werkzeug und allerlei Krimskram erinnert an die vielleicht ehrgeizigste Expedition nach Westaustralien aller Zeiten – Sir Thomas Elder finanzierte diese Expedition, die von der Royal Geographic Society organisiert und durchgeführt wurde. David Lindsay und 13 weitere Männer nebst 44 Kamele verliessen hier die Eisenbahn am 2. Mai 1891 zu einer 6886 Kilometer langen Reise nach Westaustralien – die zwölf Monate dauern sollte.

Ziemlich imposant erhebt sich irgendwann auf der linken Seite des Tracks die Algebuckina Bridge aus der Wüste. Sie ist mit 578 m die längste Brücke des Old Ghan und wohl auch ganz Südaustraliens über den Neales River.
Neben dem ausgetrockneten Flußbett steht ein größerer Baum und spendet etwas Schatten. Hier stellen wir das Auto ab und klettern erst einmal die riesige Stahlkonstruktion hinauf. Unweit am Fuße der Brücke liegt auch wieder ein rostiges Autowrack – ein alter Holden. Der Fahrer versuchte den gefluteten Neales River über die Brücke zu überwinden und wurde vom herankommenden Zug erfasst. Das war schon ein schlechtes Timing, da normalerweise nicht mehr als 3 Züge pro Woche fuhren…

Nach einem Picknick im Auto (wegen der Fliegen) verlassen wir lassen das trockene Flussbett und fahren zurück auf den Track. Die Landschaft wird bald ein klein wenig abwechslungsreicher – die niedrigen Hügel des Stuart Range bei Bartons’ Gap.

Und irgendwann – 1000 km von Adelaide entfernt – mitten in der Wüste taucht Oodnadatta auf. Zwischen 1891 und 1929 war hier die Endstation der Great Northern Railway, was dem Städtchen zu einer kurzen Blütezeit verhalf. Das Oodnadatta Krankenhaus war das erste Australian Inland Mission Pflegeheim, eröffnet 1912 von John Flynn. Er hatte die Vision, das australische Landesinnere mit einem “Mantel der Sicherheit” zu überdecken, gründete mehrere Buschkrankenhäuser und schließlich den Royal Flying Doctor Service.

Heute leben hier ca. 280 Einwohner und Mittelpunkt ist zweifelsohne das legendäre Pink Roadhouse. Wir tanken hier zu einem stolzen Preis von 2.19 AUD/l. Klar, irgendwie muss ja der Diesel auch erst einmal hier ins Outback gebracht werden…
Das Roadhouse und alles rundherum ist – natürlich pink – aber sehr sauber und freundlich. Wir trinken eine Kaffee und schauen uns ordentlich um. Von hier sind es noch 2160km bis nach Darwin – da haben wir ja noch etwas vor uns.

Am Nachmittag machen wir uns dann auf zur letzten Etappe – nach Marla. Die Landschaft wird wieder eintöniger und wir fahren durch ein durchdachtes Bewässerungssystem. Es gibt viele Senken, die bei Regen vollaufen und das Wasser ableiten sollen. Immer wieder finden wir hier Messleisten bis zu einem Meter hoch, damit man abschätzen kann, ob man mit dem Auto hier noch durchkommt.

Etwa 50km vor Marla werden wir bei einer kurzen Pause auf ein lautes Sirren aufmerksam. Es klingt nach dem Singen der Zikaden, verändert sich – je nachdem auf welcher Seite des Bushcampers wir hören. Schnell finden wir die wirkliche Ursache – das rechte Hinterrad lässt Luft. Da aber der Reifen noch fest ist, springen wir schnell ins Auto und versuchen noch so weit zu fahren, wie wir kommen. Aber nach etwa 10km halten wir dann doch. Da die Piste seitlich abkippt, bleiben wir mitten auf der Strasse stehen. Nur hier ist der Untergrund einigermassen fest und der Wagenheber hat einen guten Stand. Der Reifen ist schnell gewechselt und wir können weiter fahren.

Bei der Übergabe des Fahrzeuges haben wir die Versicherung erhöht um keine Selbstbeteiligung im Falle eines Schadens zahlen zu müssen. Auf die Frage, was bei einer Reifenpanne zu tun ist bekamen wir die Antwort: “Wenn irgendetwas passiert – anrufen – wir kommen und kümmern uns um alles…” – Ja – aber wie sollen wir denn in der Wüste anrufen – kein Netz – nicht einmal Radioempfang. Und vieleicht ein Auto aller 2 Stunden…?

Am Abend erreichen wir dann auch ohne weitere Zwischenfälle das Ende des Oodnadatta Tracks – das Städtchen Marla. Hier gibt es ein großes Roadhaus, ein Motel und einen Caravan Park. Erst einmal duschen!
Dann rufe ich die Britz-Hotline an und erkläre dem Operator, was passiert ist. Keine Ahnung, wo auf diesem Kontinent ich herausgekommen bin – und nach einigem Hin und Her findet er Marla – ah’ – Südaustralien… Er gibt uns die Adresse der Autowerkstatt und verspricht sich dort um einen entsprechenden Ersatzreifen zu kümmern. Damit sind wir erst einmal beruhigt, kochen unser Abendbrot und trinken dann auf den Schreck im Mondschein einen ordentlichen Whisky. Alles ist gut geworden…

Marla Traveller’s Rest Caravan Park
Stuart Hwy, Marla SA 5724, Australia
http://www.marla.com.au