Vom Palatin nach Caracalla

Palatin

Der 50 m hohe Palatin ist der vornehmste unter den sieben klassischen Hügeln Roms. Seine Besiedlung reicht bis ins 10. Jh. v. Chr. zurück. Adlige und Kaiser bauten sich hier ihre Paläste, später unter Kaiser Domitian kamen auch Staatsbauten und Tempel hinzu. Im Mittelalter entstanden über den antiken Bauten, Kirchen, Klöster und eine Festung.

Die eindrucksvollsten Ruinen auf den Palatin gehören zu den Thermen, die Kaiser Septimus Severus erbauen ließ. Die gewaltigen Unterbauten stützen Pfeiler und Bogen des imposanten Bauwerkes. In einigen Korridoren und Baderäumen findet man noch heute Reste der Heizungsanlage. Kaiser Domitian (81-96) ließ eine 160 m lange und 47 breite Arena auf dem Palatin errichten. Es ist allerdings bis heute ungeklärt, ob auch Publikum die dort eventuell ausgerichteten Feste und Wettkämpfe besuchte, oder ob das Gebäude nur für den Kaiser und sein Gefolge zugänglich war. Bei dem Bau könnte es sich sogar nur um einen großen Garten handeln, der in die Form eines Stadions eingebettet wurde.

Circus Maximus

Der Circus Maximus zwischen den Hügeln Palatin und Aventin entstand schon zu Beginn des Römischen Reiches. Schon um 500 v. Chr. vergnügten sich hier die Zuschauer bei Schaukämpfen und Spielen. Diese Art der Unterhaltung und des Nervenkitzels fand bei den Römern immer mehr begeisterte Anhänger. Der Circus Maximus bekam eine immer prachtvollere Ausstattung und wurde mehrmals vergrößert. Schließlich fanden auf den Tribünen mehr als 300.000 Menschen Platz.

San Giovanni in Laterano

San Giovanni in Laterano ist die Pfarrkirche des Papstes in Rom. Die Geschichte des Lateran ist bis ins Jahre 313 zurück zu verfolgen. Damals ließ Papst Melchiades mit dem Bau einer Basilika beginnen. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde diese allerdings völlig umgebaut. Das Kircheninnere ist ein Werk Francesco Borrominis . Er gestaltete im heiligen Jahr 1650 das 130m lange, fünfschiffige Innere. Er errichtete mächtige Pfeiler, die die Arkadenbögen des Mittelschiffes tragen und schmückte die Säulennischen mit 4,25m hohen Apostelstatuen, die er aus einem einzigen Marmorstück heraus gearbeitet hatte.

Die Kirche trägt an der Hauptfassade die Inschrift „MATER ET CAPUT OMNIUM ECCLESIARUM URBIS ET ORBIS“ (= Mutter und Haupt aller Kirchen der Stadt und des Erdkreises. Schon 313 n. (Jahr des Mailänder Edikts) begann man über den Mauern des Palastes der Laterani und einer Kaserne mit dem Bau einer großen Basilika (als erster der 4 Patriarchalbasiliken). Die Päpste residierten vor ihrem Exil in Avignon hauptsächlich im Lateran. Hier fanden auch 5 Konzile statt. San Giovanni in Laterano war im Mittelalter das Machtzentrum Roms, Sitz der Päpste und Gerichtsstätte.

Zauberhaft schön ist der Kreuzgang, mit architektonischen Ruinen und Skulpturen aus der antiken Basilika, Inschriften, römische und frühchristlichen Funden.
Auf der Piazza San Giovanni sieht man die Seitenfassade, die beiden Glockentürme aus dem 14. Jh., den Palazzo del Laterano und die Taufkirche der Basilika. Hier steht der älteste und höchste Obelisk Roms.

Von der antiken Gestaltung des Kapitols ist heute nichts mehr zu erkennen. Der Kapitolsplatz (Piazza del Campidoglio) wird heute von drei Renaissance-Palästen eingerahmt: an der Stirnseite der Senatorenpalast, das heutige Rathaus von Rom, rechts der Konservatorenpalast und links der Palazzo Nuovo, in denen heute sehr empfehlenswerte Museen eingerichtet sind.

Nach Marc Aurels Tod 180 wurde die Columna Divi Marci, die Marc Aurel-Säule, begonnen und muß spätestens 196 fertiggestellt worden sein, da eine Inschrift einem gewissen Adrastus, einem Säulenwächter, das Holzgerüst zum Bau seines Hauses zuspricht. Als Vorbild diente die Trajanssäule. Die Säule steht auf einem 10,50 Meter hohen Sockel. Der Säulenschaft hat eine Höhe von knapp 30 Metern, also etwa 100 römischen Fuß. Die Reliefs stellen die Feldzüge Marc Aurels gegen die Sarmaten und Germanen dar. Die Darstellung beginnt mit einer Flußüberquerung über die Donau, vermutlich bei Carnuntum. Auf halber Höhe trennt eine Siegesgöttin die zwei Feldzüge voneinander. Papst Sixtus V. ließ 1589 einige fehlende Partien der Säule restaurieren und bekrönte die Spitze der Säule mit einer Statue des heiligen Paulus.

Fontana di Trevi

Im Jahr 19 v. Chr. legte Agrippa, Freund und Feldherr des Kaisers Augustus, eine Wasserleitung für seine Thermen. Der Sage nach hat eine wunderschöne Jungfrau Agrippa die Quelle gezeigt, die noch heute den Brunnen speist. – Die “Aqua Vergine” reichte von Salone (östlich von Rom) bis in die Nähe des Pantheons.


Leon Battista Alberti erbaute 1453 an der Stelle der heutigen Fontana di Trevi einen Brunnen. Mit einer Weinsteuer finanzierte Urban VIII. (1623 – 1644) die Erneuerung des Brunnens. Klemens XII. (1730 – 1740) beauftragte den römischen Baumeister Nicolò Salvi ein Wasserwerk zu schaffen, an dem die Römer ihre Freude hätten. Salvi baute zwischen 1732 und 1751 an der barocken Brunnenanlage.
Mit 20 m Breite und 26 m Höhe ist der Trevi-Brunnen Roms größter und berühmtester Brunnen. Er lehnt sich an die Schmalseite des Palazzo Poli (Palast der Herzöge von Poli). – Ein dreiachsiger römischer Triumphbogen bildet die Rückseite des Bauwerks. An die Stelle der Tore hat Salvi eine Rundnische in die Mitte und je eine rechteckige Nische auf jede Seite gesetzt. Vor der Rundnische erhebt sich der Meeresgott Neptun. Die Muschel, das Schiff des Gottes, wird von zwei Meerespferden, von denen das eine ungestüm, und das andere sanft it, gezogen. Tritonen lenken die Meerespferde durch Fluten und Felsen.

Trajansforum- und märkte, Trajanssäule

Trajan errichtete zwischen 107 (dem Jahr seines Sieges über die Daker) und 113 das letzte und gleichzeitig prächtigste der Kaiserforen, das Trajansforum. Da der Bereich der alten Foren zwischen Subura, Quirinal und Capitol mittlerweile völlig zugabaut war, ließ Trajan den Sattel zwischen Quirinal und Kapitol abtragen, um Platz für sein neues Forum zu schaffen. Verantwortlich für dieses Mammutprojekt war Trajans Architekt, Apollodor von Damaskus. Der Raum zwischen dem Trajansforum und den letzten Ausläufern des Quirinal nutzte der Architekt zur Anlage der sogenannten Trajansmärkte. Die Märkte sind dort erbaut, wo der Einschnitt in den Berg bei der Abtragung stattfand (siehe Trajansforum). Der Berg wurde in mehreren Stufen abgetragen und darauf ein kompliziertes System von Anlagen errichtet. Man nimmt an, daß die Märkte vor dem Trajansforum auch entstanden, um den Berghang abzustützen (nicht umsonst erinnert die Form des Bauwerkes an eine Staumauer). Die Trajanssäule, die auf dem Trajansforum steht, wurde am 18. Mai 113 fertiggestellt. Auf einem spiralförmigen Band windet sich eine Reliefdarstellung nach oben. Der Fries hat eine Gesamtlänge von 200 Metern. In Form einer Bilderserie sind zwei Feldzüge gegen die Daker dargestellt, die unter Trajans Führung stattfanden.

St. Maria Maggiore

Römischer Überlieferung zufolge soll die Kirche auf Geheiß des Bischofs Liborius erbaut worden sein, dem sie auch ihren Beinamen „Basilica Liberiana“ verdankt. Liborius nämlich habe der Vision des Patriziers Johannes beigewohnt, dem im Sommer des Jahres 352 von der Gottesmutter aufgetragen worden sei, dort eine Kirche zu errichten, wo am nächsten Morgen Schnee fallen werde.
Historisch überliefert und bauarchäologisch nachweisbar ist hingegen eine Erbauung unter Papst Sixtus III., die im Anschluss an das Konzil von Ephesos im Jahr 431 erfolgte. Dort war die gleichermaßen irdische wie göttliche Natur Christi bestätigt und somit Maria als Gottesgebärerin anerkannt worden. Die Kirche Santa Maria Maggiore ist somit die älteste Marienkirche der Christenheit. Diese frühchristliche Basilika erfuhr vor allem im späten Mittelalter einschneidende bauliche Veränderungen. So wurde unter Papst Nikolaus IV. (1288-92) die Apsis umgestaltet und ein Querhaus errichtet. 1370-78 wurde mit dem 75m hohen Campanile der höchste erhaltene römische Glockenturm errichtet.

Die Via Appia wurde von Appius Claudius Ceacus (Censor des Jahres 312v.Chr.) gebaut. Er hatte auch die nach ihm benannte erste Wasserleitung in die Stadt anlegen lassen. Sie war die erste Straße, die nach einer Person und nicht wie bisher nach ihrer Funktion (wie die Via Salaria – die Salzstraße) benannt wurde. Die Via Appia war die Hauptstrecke nach Griechenland und über 560 Kilometer lang. Sie war stabil gebaut und mit Meilensteinen versehen. Die heute noch erhaltenen Teile der Pflasterung bestehen aus großen hexagonalen Blöcken aus Lavagestein, die auf einem festen Fundament ruhen und mit Zement verstärkt sind. Nahe Rom wurde die Straße von zahlreichen Gräbern gesäumt, von denen noch einige Ruinen erhalten sind.

Die Piazza Navona liegt in der Tiberniederung, am Fuße der Hügel Quirinal, Esquilin und Kapitol. Der Tiber verlief bis zu Augustus Zeiten (kurz vor Christi) ohne einen festen Lauf. Nur der Truppenübungsplatz (das Marsfeld) war für Aufmärsche und Paraden vorgesehen, der Rest war den Überschwemmungen ausgeliefert.
Kaiser Domitian ließ hier um 86 n.Chr. sein Stadium errichten. Es handelte sich weder um eine Arena (Kampfplatz), noch um einen Zirkus (Rennbahn). Der falvische Kaiser wollte griechische Atlethen wetteifern lassen – seinen Mitbürgern zum Trotz, da die griechischen Spiele als unmoralisch betrachtet wurden.
Die Barockzeit brachte große Umwälzungen. Innozenz X. Pamphilj ließ sich hier 1644-50 seinen Familienpalast und die Hauskirche bauen, als Geschenk an seine Schwägerin Donna Olimpia Maidalchini gedacht. Wegen des schädlichen Einflusses auf den Papst, wurde sie vom Volk „Papessa“ – die Päpstin- genannt. Der beauftragte Architekt Borromini ließ auch die Wasserleitung der Acqua Virgo vom Trevibrunnen zur Piazza Navona verlängert. So bekam der Platz neue Brunnen.

Gian Lorenzo Bernini schuf im Jahre 1648 – 51 einen der schönsten Brunnen des Barocks: der Vierströmebrunnen (Fontana dei Fiumi). Er gilt als überhöhte Anspielung auf die Hegemonie des Auftraggebers und seiner Dynastie. Die Flußgötter Nil, Ganges, Donau und Rio de la Plata säumen einen Felsenturm, der vom Wasserbecken emporragt. Darauf setzte er einen antiken Obelisken.

Pantheon

Das Pantheon ist von allen antiken Monumenten in Rom wohl das besterhaltene und wohl auch eines der eindrucksvollsten. Seinen guten Erhaltungszustand verdankt der Bau der Tatsache, daß der byzantinische Kaiser Phokas ihn 608 dem Papst Bonifaz III. schenkte (wofür ihm die Römer eine Ehrensäule auf dem Forum aufstellten, die sog. Phokassäule) und dieser ihn zu einer Kirche umwandelte.
Der erste Bau des Pantheons geht auf M. Agrippa zurück, den Schwiegersohn des Augustus und wurde in den Jahren 27-25 v. Chr. im Rahmen einer Neugestaltung des ganzen Viertels erbaut. Das Pantheon des Agrippa besaß noch keine Kuppel, sondern scheint ein rechteckiger 19,80 Meter langer und 43,76 Meter breiter Tempel gewesen zu sein. Sein jetziges Aussehen erhielt das Pantheon in den ersten Jahren der Herrschaft des Kaisers Hadrian, 118-125. Die Inschrift auf dem Architrav „M[arcus] Agrippa L[uci] f[ilius] co[n]s[ul] tertium fecit]“, die also obengenannten Marcus Agrippa, Sohn des Lucius, während seines dritten Konsulats als Bauherrn ausweisen, stammt ebenfalls von Hadrian, der seinen Namen auf keines seiner zahlreichen Bauwerke setzen ließ, mit Ausnahme des Trajantempels.

Beim hadrianischen Wiederaufbau wurde die Anlage vollständig verändert. Den Eindruck, den man heute erhält, wenn man vor dem Pantheon steht, entspricht nicht dem der Antike. Die Fassade erhob sich ursprünglich über mehrere Stufen, obwohl sie jetzt wie eingegraben erscheint. Der Vorplatz war länger und von Portiken umrahmt. Das Pantheon war vollständig von Gebäuden eingeschlossen, man konnte also die Kuppel weder von vorne noch von den Seiten sehen.

Das Portal des Tempels bestand aus insgesamt 16 aus einem Block gehauenen Granitsäulen und war 33,10 x 15,50 Meter groß. Es machte den Eindruck eines zwar gewaltigen, aber regulären rechteckigen Tempelaufbaus, was den Eindruck des Rauminnern, der mit seiner gewaltigen Kuppel ja völlig anders als erwartet ausfiel, nur noch verstärkte. Die Raumhöhe im Innern des Pantheon beträgt 43,30 Meter. Es dauerte eine lange Zeit, bis wieder ein Raum ein Kuppeldach von ähnlichem Durchmesser erhielt und selbst heute ist dies nur mit modernster Technik und kompliziertesten Statikberechnungen möglich.

Caracalla-Thermen

Die Caracallathermen, die zweitgrößten und luxoriösesten Thermen Roms, wurden 212 v. Chr. von Caracalla begonnen und 217 n. Chr. eingeweiht. Die Umfassungsanlage wurde allerdings erst von den beiden letzten severischen Kaisern Elagabal und Alexander Severus hinzugefügt. Die Badeanlage selbst maß 220 x 140 Meter, mit den Umfassungsbauten umfaßte das Areal immerhin 400 x 328 Meter. Mehr als 1600 Personen konnten hier gleichzeitig baden. Größer waren nur die Thermen des Diocletian, die 298 v. Chr. begonnen und in nur acht Jahren Bauzeit von 35.000 Sklaven fertiggestellt wurden. Sie boten auf einer Fläche 370 x 320 Metern immerhin 3500 Menschen gleichzeitig Platz und waren damit die größten Badeanlagen der Antike.

Der Vatikan

Der Petersdom in der Vatikanstadt in Rom zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Er gilt als der größte Kirchenbau der Erde (Länge 211,5 m, Höhe 132,5 m, Kuppeldurchmesser 42 m) und zieht täglich Tausende von Besuchern aus aller Welt an, die hier die Grablege des Apostels Petrus und die Hauptkirche des Papstes besuchen wollen. Die Peterskirche von heute ist das Werk vieler Generationen von Baumeistern. In ihr spiegeln sich die geistige Gesinnung und die ästhetischen Ideale der Renaissance und des Barock wieder. Architektonisch gesehen ist der Petersdom ein typischer Renaissancebau, der im barocken Stil vollendet wurde. Staunend betritt man die riesige Ellipse des Petersplatzes, die sich hell und weit vor dem Besucher öffnet (273 m bzw. 226 m im Durchmesser). Im Zentrum ragt ein Obelisk auf, von zwei mächtigen, wasserspeienden Brunnen eingerahmt. Kaiser Caligula brachte diesen Obelisken einst von Alexandria in Ägypten als Schiffsfracht nach Rom und ließ ihn in seinem Zirkus, seiner Rennbahn, aufstellen. Der Stein wurde – nach der Überlieferung – Zeuge der Hinrichtung des Apostels Petrus und seiner Gefährten. Auf den 15 m hohen Kolonnaden Berninis stehen über 140 Heiligenskulpturen in Überlebensgröße. Der Säulengang zwischen den Kolonnaden ist so breit, daß zwei Wagen ihn bequem durchfahren könnten. Nun wendet man den Blick auf den Dom und die Fassade Carlo Madernas, die wie ein Riegel den Platz vom Kirchengebäude trennt und eher den Eindruck eines Palastes vermittelt. Auffallend die mächtige Gliederung der Fassade mit Säulen und Pfeilern, die über zwei Stockwerke reichen, sowie Eingänge, Balkone und Fenster. Oben auf der Fassade stehen 5,70 m hohe Statuen von Christus und den Aposteln. Für den Betrachter auf dem Petersplatz wölbt sich hinter den Statuen die Kuppel Michelangelos in den Himmel. Man betritt die Peterskirche über eine weite Treppe, die auf Entwürfe Berninis zurückgeht.

Hier finden 60.000 Menschen Platz. Außer dem Hauptaltar gibt es weitere 29 Seitenaltäre und 23 Papst-Grabmäler. Auf eines der größten Kunstwerke des Doms soll noch hingewiesen werden: Michelangelos Pieta, die er als 24-jähriger Künstler aus dem Marmorblock schlug. Im Petersdom sind damit gleich zwei Meisterwerke Michelangelos vereint, die zeitlich weit auseinanderliegen: die Pieta als Jugendwerk und die Kuppel, die der Meister mit 80 Jahren schuf.

Die direkt neben der Vorhalle gelegene Sixtinische Kapelle, die Kapelle des Papstes, gehört nicht mehr zum Petersdom, verdient jedoch noch besondere Erwähnung. Der Raum ist aus architektonischer Sicht schmucklos, ein Rechteck von 48 m Länge, 15 m Breite und 18 m Höhe. Er wurde 1483 fertiggestellt. Papst Julius II. beauftragte Michelangelo mit ihrer Bemalung, ein Auftrag, den der Künstler zunächst widerwillig annahm, fühlte er sich doch eher als Bildhauer. 1508 begann er seine Arbeit, das sein größtes malerisches Werk werden sollte. Er arbeitete allein, in unbequemer Körperhaltung, rastlos. In zwei Jahren hatte er die Decke vollendet. 1512 schloß er die Arbeit vorerst ab, um 23 Jahre später noch einmal sieben Jahre lang sein „Jüngstes Gericht“ in der Sixtinische Kapelle zu malen. Nach der Renovierung der Sixtina erstrahlt die Kapelle im Heiligen Jahr 2000 in neuem Glanz und mit frischen Farben.

Um zu den Vatikanischen Museen zu gelangen, muss man entlang den Mauern in der Via del Vaticano ein Stück bergauf gehen. Hinter der Mauer liegt das Eingangsportal aus dem Jahr 1923.

Engelsburg

Die Engelsburg ist ursprünglich ein Grabbau für Kaiser Hadrian (117-138 n. Chr.), der den Bau in seinen letzten Regierungsjahren für sich und seine Nachfolger in Auftrag gab. Kaiser Septimius Severus ließ den Bau im Jahre 193 vollenden. Als Rom durch die Eroberungszüge der Germanen in Gefahr geriet, wurde die Engelsburg integrativer Teil einer Stadtbefestigung, die Kaiser Aurelian anlegen ließ. Die Engelsburg wurde durch ihre günstige Lage zur stärksten Festung Roms ausgebaut. Seinen heutigen Namen erhielt das ehemalige Hadrianeum als im Jahre 590 Papst Gregor der Große eine göttliche Vision hatte: ein Engel erschien ihm über dem Mausoleum und kündigte das Ende der damals herrschenden Pest an, indem er sein Schwert in die Scheide steckte. Heute so dargestellt in der bronzenen Engelsstatue aus dem Jahre 1753 auf der Spitze des Kastells. 1277 veranlaßte Papst Nikolaus III., die Burg mit dem Vatikan durch einen unterirdischen Gang zu verbinden. In bedrohlichen Situationen suchten die Päpste immer wieder Schutz in der Engelsburg, die zeitweise auch die päpstliche Schatzkammer und das Geheimarchiv beherbergte. In 1500 Jahren wurde das Gebäude immer wieder umgewandelt, diente als kriegerische Schutzwehr, Kaserne und Gefängnis oder für Repräsentationszwecke.

Nach 1901 wurde es restauriert und als Museum eingerichtet. In 58 Sälen, einige davon reich mit Fresken ausgeschmückt, kann man u.a. eine Waffensammlung, Modelle zur Baugeschichte und eine Schatzkammer begutachten. Von der oberen Plattform der Engelsburg aus hat man einen der schönsten Ausblicke auf Rom.

Rom – die ewige Stadt

Nur wenige Städte der Welt bieten so viel Geschichte, Kultur und Kunstschätze wie die Stadt am Tiber. Mit den nachfolgenden Bildern möchte ich alle einladen, an einem kurzen Rundgang durch die wichtigsten Stätten Roms teilzunehmen.

Colloseum

Beginnen wir im Herzen von Rom und dem wohl symbolträchtigsten Bauwerk des Römertums- dem Colosseum. Das größte Amphitheater, das je in Rom gebaut wurde, bot Platz für 75000 Zuschauer und ist mit 188 m Länge und einer Breite von 156 m das größte erhaltene Bauwerk der römischen Antike.

72 n. Chr. ließ Kaiser Vespasian das „Amphitheatrum Flavium“ in unmittelbarer Nähe zur Kolossal-Statue Neros erbauen. Kaiser Titus vergrößerte das Amphitheater um das vierte Stockwerk und eröffnete den Bau mit seiner 86 m langen und 54 breiten Arena im Jahre 80. Auf den vier Rängen konnten die Menschenmassen innerhalb weniger Minuten ihre Plätze einnehmen. Die Architektur und die Bühnentechnik des Kolosseums waren perfekt und sind bis heute noch Vorbild für unsere Stadien. Im ersten Rang saßen die kaiserliche Familie, der Hof und die Staatsbeamten, im zweiten die vornehmen Familien, im dritten und vierten das gemeine Volk. Von den Mauern des obersten Stockwerkes konnte man von 240 Masten aus ein Zelt spannen, um die Zuschauer vor der Sonne zu schützen.

Da der Fußboden heute fehlt, sind die engen Kellerräume gut zu sehen, von denen einige als Kerker und Käfige dienten. In anderen waren Flaschenzüge und Winden untergebracht, die es ermöglichten, Kulissen und Akteure aus dem Boden aufseigen zu lassen. Der Platz für die Käfige reichte bei großen Vorstellungen aber bei weitem nicht aus, deshalb wurden Tiere aus außerhalb gelegenen Zoos durch unterirdische Gänge ins Colosseum getrieben.

Bereits um das Jahr 1000 v. Chr., also lange vor der mythischen Gründung der Stadt Rom, entstanden erste Ansiedlungen auf dem Esquilin (die „Roma quadrata“ der Überlieferung), später auch auf dem Quirinal. Die dort siedelnden Bewohner der einzelnen Dörfer beschlossen bald, gemeinsame Angelegenheiten auf neutralem Gebiet zwischen den beiden Hügeln zu entscheiden: das Forum entstand.

Vor dem Romulus-Tempel verläuft die Via Sacra, die alte Prozessionsstraße, die über das ganze Forum vom Titusbogen vorbei an der Maxentius-Basilika durch den Triumphbogen des Septimius Severus bis zum Tempel des Saturn verlief. Von dort führte wiederum der Clivus Capitolinus weiter auf das Kapitol.

Gegenüber des Vesta-Tempels und des Hauses der Vestalinnen befindet sich der Antoninus und Faustina-Tempel. Kaiser Antoninus Pius ließ diesen Tempel im Jahr 141 n. Chr. für seine verstorbene und vergöttlichte Frau Faustina bauen, nach seinem Tod wurde der Tempel dann auch ihm geweiht. Es sind alle Säulen der Eingangshalle, die aus Cipollin-Marmor gefertigt sind, erhalten (Höhe: 17 Meter).
Neben der Basilica Aemilia tagte in der Curia der Senat von Rom. Der Bau ist vollständig erhalten, was seiner Nutzung als Kirche während des Mittelalters zu verdanken ist. Es handelt sich allerdings nicht um das ursprüngliche Gebäude, sondern um einen Wiederaufbau Diokletians aus dem Jahre 303 n. Chr, nachdem die Curia bei einem Brand, der das ganze Viertel zwischen Caesar-Forum und Basilica Iulia zerstörte, im Jahr 283 niedergebrannt war. Ursprünglich war diese Curia von Caius Iulius Caesar gebaut worden (daher der Name Curia Iulia), als Ersatz für die 52 v. Chr. abgebrannte Curia Hostilia. Geweiht wurde die neue Curia allerdings erst unter Augustus, Caesars Adoptivsohn und Erben, am 28. August 29 v. Chr., immerhin 15 Jahre nach Caesars Tod.

Hinter der Maxentius-Basilica, am Ausgang des Forums am Kolosseum, steht der Triumphbogen des Titus zur Erinnerung an seinen Sieg über die Juden und die Zerstörung des Tempels von Jerusalem im Jahre 71, dessen noch verbliebene Mauer die berühmte Klagemauer ist. Titus gilt deshalb als Verursacher der jüdischen Diaspora, die erst in unserem Jahrhundert mit der Gründung des Staates Israel endete. Der Triumphbogen ist einer der schönsten Roms. Die Reliefs im Bogendurchgang haben zwar stark gelitten, die Themen sind aber noch gut zuerkennen: man sieht den Triumphator, dem nicht ein Sklave, sondern die Siegesgöttin Victoria persönlich den Siegeskranz hält. Auch der legendäre Tempelschatz mit dem großen, siebenarmigen Leuchter ist zu sehen. Im Mittelalter war der Bogen, ähnlich wie der andere große Triumphbogen auf dem Forum Romanum, der Septimius-Severus-Bogen, in eine Festungsanlage integriert.

Hinterhalb der Rostra und des Umbilicus urbis Romae, am Fuße des Kapitols, befindet sich der Saturntempel. Dieser Tempel ionischer Ordnung hat eine lange Geschichte. Vor dem Tempel gab es an dieser Stelle einen Altar und schon in der Königszeit wurde mit dem Bau des Tempels begonnen. Die Weihung fand erst in republikanischer Zeit statt, 498 v. Chr. Er ist damit nach dem Tempel des Iuppiter Capitolinus der zweitälteste Tempel Roms.
Hinter dem Caesar- und dem Dioskurentempel befand sich der Rund-Tempel der Vesta. Hier brannte Tag und Nacht ein Feuer als „Lebenslicht“ der Stadt Rom. Hier mußten sich die Vestalinnen, die die einzige weibliche Priesterschaft in ganz Rom bildeten und in einer Art Kloster, dem Haus der Vestalinnen, auf dem Forum wohnten, um diese ewige Flamme kümmern.
Die drei noch erhaltenen Säulen des Dioskurentempels gelten heute als das Wahrzeichen des Forum Romanum. Ursprünglich wurde er 484 v. Chr. errichtet, dann 117 v. Chr. von L. Caecilius Metellus Dalmaticus wiederaufgebaut, nochmals durch Verres, den durch Ciceros Angriffe berühmten Propraetor von Sizilien und erneut durch Tiberius nach einem Brand von 12 v.Chr, der den Tempel 6. n. Chr. neu weihte. Der vordere Teil des Podium diente als Rednerbühne und war ebenfalls mit Schiffsschäbeln geschmückt.

Gegenüber dem Caesar-Forum, auf der anderen Seite der Via dei Fori Imperiali, befindet sich das 42 v. Chr. erbaute Augustus-Forum. Zentrum der Anlage war der Tempel des Mars Ultor („Rächer“), den zu bauen Augustus, ähnlich wie sein Adoptivvater Caesar, gelobt hatte, sollte er gegen die Caesarmörder Brutus und Cassius in der entscheidenden Schlacht bei Philippi (42 v. Chr.) Sieger bleiben. Die Arbeiten zogen sich extrem lange hin, nämlich immerhin 40 Jahre, und einer Anekdote zufolge soll Augustus über die Langsamkeit des Architekten gespottet haben. 2 v. Chr. fand schließlich die Einweihung statt. Der ausgegtrabene Teil des Forums beschränkt sich auf die Nordostseite mit dem Tempel, und einen Teil der seitlichen Portiken. Der große Rest wurde mit der Via dei Fori Imperiali überbaut, ohne daß Grabungen stattgefunden hätten. So wirkt das prachtvolle Forum heute unvollständig und fast armselig. Das Forum war etwa 125 Meter lang und 118 Meter breit. Zwischen den Säulen der beiden Portiken an den Längsseiten standen Statuen. Links vom Tempel waren die Vorfahren des iulisch-claudischen Geschlechts dargestellt, darunter natürlich Aeneas. Es folgten die Könige von Alba Longa. Auf der gegenüberliegenden Seite, also rechts des Tempels, fanden sich Romulus und die bedeutendsten Männer der Republik, die Summi viri. Am Sockel jeder Statue waren der Name und die wichtigsten Daten und Taten (Elogium) der jeweiligen Person zu lesen. In der Mitte des Platzes stand eine Statue, die Augustus in einem Triumphwagen darstellte.

Jerusalem

TEL AVIV

Tel Aviv – „Frühlingshügel“ ist das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Israels. Es liegt direkt an der Mittelmeerküste und hat zusammen mit den abgrenzenden Städten mehr als eine Million Einwohner.
Jaffa (Yafo) ist der älteste Stadtteil von Jerusalem. 1909 gründeten israelitische Einwanderer aus Yafo Tel Aviv in den Sanddünen die erste jüdische Ansiedlung im Heiligen Land seit 2000 Jahren –  das in weniger als 100 Jahren zur größten Stadt Israels wurde.

Die Hauptverkehrsadern Tel Avivs, die Jaffa mit den nördlichen Stadtteilen verbinden, fügen sich in den Magen-David-Platz ein. Dieser Platz (Davidstern mit sechs Strahlen) ist Ausgangspunkt von 6 Hauptstrassen. Tel Aviv ist die Stadt der Freizeitaktivitäten und des Nachtlebens, aber auch Geschäfts- Presse- und Verlagszentrum. Hier wird das meiste Geld verdient – und ausgegeben.

Israelis charakterisieren ihre 3 großen Städte : In Jerusalem wird gebetet, in Haifa wird gearbeitet, in Tel Aviv wird gelebt. Der weiße Sandstrand erstreckt sich über fast 6 Kilometer entlang der Mittelmeerküste und wird von Luxushotels gesäumt. Er reicht vom modernen Tel Aviv bis zur Altstadt.

 

Yafo – „die Schöne“ nannten sie die Hebräer. Der Legende nach wurde Jaffa von Japhet, dem dritten Sohn Noahs, gegründet. Die erste befestigte Stadt geht 1800 v.Chr. zurück. Der Bibel zufolge schiffte sich Jonas in Jaffa ein, um vor dem Auftrag Gottes, in Ninive zu predigen, zu fliehen. 322 v.Chr. fiel die Stadt in die Hände Alexander des Großen, unter römischer Herrschaft wurde sie zum Geschenk an Kleopatra, später ging sie an Herodes. Sie verfiel, als dieser dem Hafen Caesarea den Vorzug gab.

1091 wurde Jaffa mit Ankunft der Kreuzritter zum Hafen Jerusalems. 1187 wurde es von Saladin erobert, ihm folgte Richard Löwenherz. Die letzte Epoche der Eroberungen schloß Napoleon ab, wovon noch heute die Kanonen erzählen.
Von hier hat man jedenfalls einen faszinierenden Blick auf die Skyline von Tel Aviv.

 

Literaturquellen: DUMONT visuell, Heiliges Land – MERIAN live-Israel – Biblische Stätten,Gestern & Heute

Caesarea

Zwischen Tel Aviv und Haifa liegt eine Siedlung aus der Antike, die später von Kreuzrittern bewohnt war, ab dem 13. Jahrhundert aber in Vergessenheit geriet.

Caesarea, eine auf den Ruinen eines phönizischen Hafens erbaute Stadt, verdankt seinen Namen Kaiser Augustus. Im Jahr 30 v.Chr. überließ Octavian, Adoptivsohn von Julius Cäsar und späterer römischer Kaiser, den Ort König Herodes. Dieser Baumeister legte hier die größte Hafenstadt des Orient an.

Herodes der Große, der Gründer von Cäsarea, ließ diesen Aquädukt errichten. Er versorgte die Stadt mit Süßwasser aus 16 Kilometer im Norden entfernt liegenden Bergquellen.

Das Amphitheater von Caesarea gehört zu den Schönsten des Orient. Es ist ein zum Meer hin offenes römisches Theater, das Platz für ca. 5000 Zuschauer bot. Hier entdeckte man eine Inschrift, die bestätigt, dass Pontius Pilatus zu Lebzeiten Christi als Prokurator in Caesarea amtierte.

Vom Römischen Theater mit seiner umgebenen byzantinischen Stadtmauer führte eine Geschäftsstrasse zum Hafen. Hier befanden sich die Paulus-Kathedrale, die Kreuzfahrerkirche, eine Zitadelle und die Moschee mit dem weit sichtbaren Minarett.

1940 wurde das in Meer und Sand versunkene Caesarea von Fischern wiederentdeckt. Erforscht wurde es zunächst von Arbeitern des nahegelegenen Kibuz Sedot Yam, dann zumeist von italienischen Archäologen.

Erst ein geringer Teil ist bisher freigelegt. Zu sehen sind z.B. die Ruinen des Forums (Säulenstrasse) und zahlreicher Mosaiken, die den Fußboden reicher Häuser schmückten.

Caesarea lag auf der Strecke zwischen Ägypten und Tyrus und war daher nicht nur eine bedeutende Handelsstadt, sondern auch ein geschäftiger Hafen und Marinestützpunkt. In römischer Zeit war er der Haupthafen Judäas.
Riesige Felsblöcke dienten als künstliche Wellenbrecher. Von den Kreuzfahrern wurde er im 12. Jahrhundert wieder aufgebaut.

Literaturquellen: DUMONT visuell, Heiliges Land – MERIAN live-Israel – Biblische Stätten,Gestern & Heute

JERUSALEM – CITY OF GOLD

Die Hauptstadt Israels ist das Zentrum der großen Weltreligionen. Jerusalem liegt 800 Meter hoch in den judäischen Bergen, eine knappe Autostunde von Tel Aviv entfernt. Die Fahrt mit dem Bus von Tel Aviv nach Jerusalem kostet 18,20 NIS.

Jerusalem ist die Heilige Stadt der Juden (Yerushalayim = Ort des Friedens), denn dort stand Salomos Tempel. Und es ist die Heilige Stadt der Christen, denn dort war Christus verurteilt und gekreuzigt worden – und hier ist er von den Toten auferstanden. Es ist aber auch die Heilige Stadt der Muslime (nach Mekka und Medina), weil  auf dem Berg Moriah Abraham seinen Sohn Isaak opfern sollte und von diesem Felsen der Prophet Mohamed seine Himmelsreise antrat. Kein Ort auf der Welt kann sich auf so alte Heiligkeit berufen.

Eine beeindruckende Mauer begrenzt die etwa einen Quadratkilometer große Altstadt von Jerusalem. Sultan Kanunu Süleyman der Prächtige ließ sie 1537 bis 1541 auf den alten Fundamenten errichten. Die Befestigungen, 12-15 Meter hoch und fast 4870 Meter lang werden nur durch 8 steinerne Tore durchbrochen.

Ich betrat die Altstadt von Jerusalem durch das Jaffa-Tor. Früher endete hier die Straße vom Hafen Jaffa nach Jerusalem. Heute findet man hier einen lebhaften Platz mit vielen Souvenirläden und Cafe’s, der vom Turm der Zitadelle (Davidsturm) dominiert wird. Die von Herodes um 24 v.Chr. erbaute Festung wurde von Sultan Süleyman restauriert, um seine Garnison dort unterzubringen. Der Weg nach Süden geht durch das Armenische Viertel. Die heute dort lebende armenische Gemeinde umfaßt ca. 3000 Personen.

Verlässt man die Altstadt durch das Zion-Tor im Süden eröffnet sich der Blick im Norden auf den Ölberg und südlich zum Berg Zion und . Hier, wo das letzte Abendmahl stattgefunden haben soll, befindet sich heute eine byzantinische Kirche.
An der äußeren Stadtmauer entlang kommt man an der Kirche der Erzengel und einem alten armenischen Friedhof entlang. Am Schnittpunkt von West- und Südmauer blickt man auf das neue Jerusalem. Hier findet man die Montefiore-Windmühle (1858), die nie als Mühle gedient hat und das Viertel Yemin Moshe. 1967 renoviert, leben hier nun vor allem reiche Bürger und Künstler. Im westlich angrenzden Park liegt das Familiengrab des Herodes.

Aber zurück und betreten wir wieder die Altstadt durch das Zion-Tor  und laufen durch das Jüdische Viertel.

Dieses Viertel ist ein wahres Netz aus Synagogen, von kleinen Innenhöfen, Ruinen aus denen hier und da Glockentürme und Minarette emporragen. Kleine Verkaufsstände prägen den orientalischen Flair. Oft findet man wieder freigelegte Häuser und Grundmauern, einige fielen im Jahre 70 dem Brand von Jerusalem zum Opfer.

Die Hurva-Synagoge wurde 1701 von Rabbi Hahassid begonnen. Wegen seines frühen Todes konnte sie nicht fertiggestellt werden und verfiel. Erst im 19. Jahrhundert erwarb sie ihre endgültige Form und wurde zu einer prächtigen Synagoge ausgebaut. Bis 1948, dem Jahr ihrer Zerstörung, beherrschte ihre mächtige Kuppel das jüdische Viertel.

Am Maghrebiner Tor (Mist-Tor) vorbei und durch die Sicherheitskontrollen hindurch, stößt man auf den Höhepunkt des Viertels: den Platz vor der Westmauer.

Die Westmauer ist der letzte Überrest der Stützmauern vom Zweiten Tempel . Salomo erbaute 1000 v. Chr. den Tempel, den David als Aufbewahrungsort für die Bundeslade vorgesehen hatte. 587 v. Chr. setzte Nebukadnezar den Tempel in Brand, nahm die Heilige Stadt ein und deportierte ihre Bewohner ins Exil – nach Babylon.

539 v.Chr. kam Palästina unter die Herrschaft der Perser. Ein Teil der Verbannten kehrte daraufhin nach Jerusalem zurück, errichtete die Stadtmauern neu. Um die Juden wohlgesonnen zu stimmen, ließ Herodes, der nichtjüdische König, ihr Heiligtum in nie zuvor gesehenem Glanz wieder aufbauen. Um den heiligen Bezirk auf dem Moriah-Berg, der Stätte des ersten Tempels zu vergößern, schüttete er den Hügel weiter auf und legte ein kollosales Fundament an: die Plattform, die heute Haram el Sherif heßt. Sie trug den zweiten Tempel, die Westmauer ist ein Relikt dieser gewaltigen Substruktion.
Im Jahre 70 wurde Jerusalem von Titus erobert und zerstört.
Der Zweite Tempel, in dem ein Teil der Bevölkerung Zuflucht gesucht hatte, wurde niedergebrannt. Seit dem Tag der Zerstörung versammeln sich nun Juden, um auf diesen Ruinen zu beten. Hier vermischen sich rhytmisch geflüsterte Gebete der Gläubigen mit fröhlichen Tänzen bei Feierlichkeiten.

Da die Christen die Gebete der Juden als Wehklagen auffassten, nannten sie sie im Mittelalter „Klagemauer“.

Nach alter Tradition stecken nicht nur gläubige Juden Papierstreifen (Kvitelchen) mit Klagen, Wünschen usw.in die Ritzen zwischen den Steinen. Gott allein soll diese Botschaften lesen. Scherzhaft wird sie deshalb auch Briefkasten Gottes genannt.
Im Zeitalter des Internet und der modernen Bürokommunikation hat das Jerusalemer Oberrabbinat eine Adresse eingerichtet und garantiert, dass ein vertrauenswürdiger Rabbi die Botschaften zu den 15 Metern hohen zyklopischen Quadern der Mauer trägt: http://aish.com/wallcam/Place_a_Note_in_the_Wall.asp

Auch der Blick auf die Klagemauer ist über das Internet jederzeit möglich, eine WebCam machts möglich: Webcam Jerusalem Klagemauer

Der Zaun auf dem Vorplatz, der Frauen und Männer voneinander trennt, wurde erst 1970 auf Drängen orthodoxer Juden errichtet.
Für Touristen der einzige Zugang zum Tempelbezirk ist das Mugrabi-Tor. 14 weitere Tore führen auf jenes Plateau, auf dem einst der Erste und Zweite Tempel gestanden hat.
Die Öffnungszeiten müssen beachtet werden (8-11.30 Uhr, 13-15 Uhr, Freitags geschlossen – ich kam leider zu spät…).
Juden ist das Betreten des Tempelbezirkes untersagt, da nach israelischem Gesetz der Tempelberg unter islamischer Verwaltung steht. Ungefähr in der Platzmitte erhebt sich der majästätische Felsendom, die Qubba el-Sakhra. Edelstein des Heiligen Landes. Er wirft den Glanz seiner goldenen Kuppel auf Jerusalem. Am Südende des Tempelbezirkes steht die größte Moschee Jerusalems – die El-Aqsa-Moschee. Sie wurde zwischen 705 und 715 errichtet.

Geht man nun in westlicher Richtung die Kettenstrasse (Ha Shalshelet) gelangt man zum Cardo, der in römischer und byzantinischer Zeit die Hauptachse Jerusalems war. Hunderte von Geschäften und Basaren säumen den Weg bis hin zum Jaffa-Tor.

Etwa in der Mitte des Weges gehe ich nun rechts in das christliche Viertel. Es ist das Viertel, um die Stätten herum, die mit Leben und Tod Jesu verbunden sind : die Via Dolorosa und die Grabeskirche. Aus christlicher Sicht ist die Grabeskirche die heiligste Stätte Jerusalems. Die Kirche besitzt über 30 Kapellen,verteilt auf mehrere Stockwerke, die sich Katholiken, Griechisch-Orthodoxe, Armenier und Kopten teilen. Hier endet die Via Dolorosa, 14 Stationen Leidensweg Christi, dessen erste Station am Stephanstor (Löwentor) beginnt. Gemäß einer im Mittelalter unter christlichen Konfessionen getroffenen Vereinbarung, soll Jesus diesen Weg von seiner Verurteilung durch Pontius Pilatus bis hin zur seiner Kreuzigung gegengen sein. An der 14. Station wird er ins Grab gelegt.

Hier an der neunten Station soll Jesus zum dritten Male gefallen sein

Durch die engen Gassen der Suqs gelangt man zum Damaskus-Tor. Hier kann man den  Orients riechen. Obst- und Gewürzhändler, Souvenirläden und Stände mit Gebackenem und Gebratenem bestimmen das Bild des orientalischen Marktes. Hier am Nordtor der Altstadt beginnt die Straße nach Damaskus. Es wurde 1537 erbaut. In nördlicher Richtung erstreckt sich das arabische Viertel von Jerusalem.
Zurück auf der Via Dolorosa verlasse ich die Altstadt durch das Löwentor.

Mein Weg führt mich nun in Richtung Ölberg (Olivenberg). Im Osten der Stadt, durch das Qidron-Tal getrennt, bildet er schon seit langer Zeit eine Begrabnisstätte. Schon seit dem zweiten Jahrtausend v.Chr. schachtete man hier Gräber aus; die Judäer legten ihre Toten in gemeinsame Höhlengräber.

Parallel zum Garten Gethsemane, hier verbrachte Jesu die letzten Augenblicke vor seiner Festnahme verläuft die Straße durch das Qidron-Tal. Man blickt auf die Maria-Magdalenen-Kirche, die von Alexander III gegründet wurde. In der Nähe dieses mit seinen zwiebelturmgekrönten Kuppeln Gotteshauses führte vermutlich der alte Weg aus steinerenen Stufen zum Ölberg hinauf.
Weiter östlich liegen einige zur Hälfte gemauerte und halb in den Fels geschlagene Gräber aus dem 1. Jahrhundert – das Grab des Absalom und das Grab des Zacharias.

Geht man weiter auf der Straße um mächtigen Altstadtmauern, kann man das Goldene Tor sehen. Seit über 1000 Jahren ist es allerdings bereits zugemauert. Eine Überlieferung, die im muslimischen Umfeld noch lebendig ist, besagt, dass eines Tages ein Eroberer durch dieses Tor kommen wird, um die Stadt zu zerstören.

Auf der gegenüberliegenden Seite erschliesst sich der Blick ins Qidron-Tal. Früher wurden die Abfälle der Stadt aus dem Mist-Tor in dieses Tal gekippt. Etwas entfernter macht man es heute wohl umgekehrt…

Von hier hat man auch einen schönen Blick auf die Davidstadt. Sie bildet den ältesten Teil Jerusalems. Man findet dort Ruinen der kanaanitischen Zitadelle und Überreste der Festung Davids.

Über den Felsbsturz im Südwesten des Tempelberges erreiche ich wieder das Maghrebiner (Mist-) Tor und mein Rundgang schließt sich.

Literaturquellen: DUMONT visuell, Heiliges Land – MERIAN live-Israel – Biblische Stätten, Gestern & Heute

Die Straßen Wiens

… heißt es, sind nicht mit Steinen gepflastert, sondern mit Geschichte. Der Charme der Stadt besteht jedoch zu einem guten Teil darin, aus „Geschichte“ die „gute, alte Kaiserzeit“ zu machen.

Die Kutscher lassen ihre Schnalzer im Frühling noch temperamentvoller erklingen als sonst. Wer jetzt in einen Fiaker steigt, ist bestens bedient. „Verehrung, der Herr, küss die Hand, schöne Frau!“, ein Peitschenknall, und los geht’s zu den Prachtbauten der Kaiserzeit. Von der Albertina zur Staatsoper, weiter unter dem zartgrünen Blätterdach der Ringstraßen-Allee. Trab, trab, trab: Rechts taucht der Burggarten mit dem prachtvoll renovierten Palmenhaus auf, dann kommen links die wuchtigen, kuppelgekrönten Gebäude von Kunsthistorischem und Naturhistorischem Museum. Dazwischen thront mächtig die absolutistische Urmutter des Barock, Kaiserin Maria Theresia: Ihr Denkmal schaut hinüber zu Hofburg und Heldenplatz.

Während die Hufe der Pferde klappern, streicht ein feines Mailüfterl über die Ringstraße. Es lässt die Gedanken im Dreiviertel-Takt tanzen, dreht das Rad der Zeit zurück, fegt ein ganzes Jahrhundert weg. Plötzlich steht vor dem Parlament eine Gruppe hitzköpfiger Studenten. Junge Leutnants in schneidiger Uniform reiten in Richtung Rathaus. Und da, beim Burgtheater, biegt eine Kutsche in Richtung Bankgasse ein.

Die Gässchen sind das romantische Herz der Stadt. Sie sind eng und dunkel und wie vor Jahrhunderten mit Kopfsteinpflaster belegt. Irgendwie erwartet man jeden Moment, Mozart auf dem Heimweg ins Figarohaus um eine Ecke biegen zu sehen, der „Ein Mädchen oder Weibchen, wünscht Papageno sich“ pfeift.

Die Gefahr, im Geäder dieser Gassen verloren zu gehen, besteht nicht. Irgendwie kommt man immer wieder zum Stephansplatz zurück und spaziert in eine andere Richtung weiter: durch die Passage des Erzbischöflichen Palais zur Wollzeile, anschließend durch jene mit dem Figlmüller (dem Beisl mit den größten Wienerschnitzeln) zur Bäckerstraße. Man wirft einen Blick in den arkadengeschmückten Innenhof des Hauses Schwanenfeld auf Nr. 7 und einen in den kleinen Innenhof des Hauses Nr. 12 mit seinen mittelalterlichen Mauerteilen. Weiter geht’s zur Akademie der Wissenschaften und zur strengen, schönen Jesuitenkirche, dann in die Sonnenfelsgasse mit der Alten Universität und in die Schönlaterngasse: alles Gässchen, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Und in denen man sicher sein kann, auf den Spuren von Berühmtheiten wie Haydn, Beethoven und Clara und Robert Schumann zu wandeln.

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